Archive for October, 2005

Warum ist die CDU eigentlich konservativ?

Wednesday, October 26th, 2005

Als sich die Urväter der deutschen Demokratie in der Frankfurter Paulskirche trafen, war es noch völlig klar: auf der einen Seite gab es konservative Monarchisten, auf der anderen die Reformer. Und weil sich die Konservativen rechts vom Rednerpult gesetzt hatten, nennt man sie die Rechten und die anderen, die auf Veränderungen bedacht waren, die Linken.

Auch heute gibt es diese Begriffe noch. Die linken Parteien, das sind in erster Linie die PDS und WASG, aber auch die SPD, und als rechts oder konservativ versteht man vielerorts die Unionsparteien. Vielleicht bin ich der einzige, der sich an diesen Bezeichnung stört.

Der Duden beschreibt das Wort konservativ als: am Hergebrachten festhaltend, auf Überlieferten beharrend, bes. im politischen Leben.

Doch waren es nicht in erster Linie die Unionsparteien, die sich im Wahlkampf für weitgehende Veränderungen eingesetzt hatten? Wollten diese nicht alles über’n Haufen werfen und verändern, während die Linkspartei alles dafür tat, das alles beim Alten bleibt? Mir, jedenfalls, kam das so vor. Doch offenbar bin ich da im Irrtum. Denn warum sonst sollte man die Union immer noch als konservativ bezeichnen?

Herbstbilder

Wednesday, October 12th, 2005

Heute fuhr ich ein wenig durch die Stadt, um einige Herbstimpressionen einzufangen. Die schönsten Fotos hab ich hier online gestellt.

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ja ja, diese Sushiläden

Wednesday, October 12th, 2005

Frage: was ist falsch an diesem Bild?

Sushiladen

Lasst mich erst mal von vorne anfangen. Diese Foto wurde heute von mir in München-Maxvorstadt aufgenommen. Es zeigt ein Sushirestaurant, wie wir es in München häufiger vorfinden. Allerdings stimmt daran was nicht. Lasst mich das mal so erklären: Japaner und Chinesen sind sich nicht freundlich gesonnen. Hauptsächlich liegt das an Geschehenissen während und nach dem letzten Weltkrieg.

Jedenfalls ist es weder ratsam, einen Chinesen als Japaner zu bezeichnen, nocht umgekehrt. Das Tragische daran ist jedoch, dass es, sogar für Chinesen, nicht immer einfach ist, Japaner von Chinesen äußerlich zu unterscheiden.

Auch in der Sprache gibt es starke Ähnlichkeiten. Zwar kann der allgemeine Japaner kein Chinesisch, doch in ihrer Sprache werden sehr viele chinesische Schriftzeichen benutzt, so dass man als Chinese mit etwas Anstrengung und Fantasie durchaus ein wenig Japanisch lesen kann.

Aber zurück zu unserem Problem: was ist falsch an dem Bild?

Hier die Auflösung: mehr »

Kein Platz für Gallier

Tuesday, October 11th, 2005

Mit der Wissenschaft ist es wie bei Asterix: Da gibt es Vertreter der anerkannten und gut belegten Theorie, die Römer - und es gibt da diejenigen, die was ganz anderes behaupten, und die ganzen “eindeutigen” Argumente gar nicht einsehen und ihre eigene Meinung vertreten, die Gallier eben. Meistens herrscht zwischen den Parteien eine Pattsituation: zwar können die Römer das Dorf nicht einnehmen, aber die Gallier sind aufgrund ihrer Anzahl auch nicht in der Lage, Rom mehr zu tun, als hin und wieder zu ärgern.

Einer dieser Gallier sitzt bei uns an der TU in Weihenstephan und hat sogar einen eigenen Lehrstuhl für Mikrobiologie. Er behauptet nämlich, dass die Welt, wie wir sie heute kennen, nicht alleine auf die Evolution zurückzuführen ist. Belege dafür habe er auch. Denn seiner Meinung nach, müsse eine übergeordnete Intelligenz zumindest die Entwicklung der Welt gelenkt haben, denn sonst könne das alles, was es heute gibt, gar nicht existieren. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine dar. Zwar wird er diesseits des Atlantiks eher belächelt, aber jenseits, dort wo sie den intelligentesten und weisesten Präsidenten aller Nationen haben, ist er ein anerkannter und vielzitierter Mann.

Dem Thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus ist das ganze nicht verborgen geblieben. So lud er unseren Münchner Professor ein, in seiner Staatskanzlei mit einem anerkannten Darwinisten, sprich jemanden, der vehement die Evolution propagiert, über Gott und den Schöpfungsakt zu diskutieren. In der Wissenschaftswelt gab es daraufthin massive Proteste. Man warf Herrn Althaus vor, radikal fundamentalistische Positionen zu fördern. So kam jener nicht umhin unseren Münchener Professor schnurstracks wieder auszuladen.

Was lernen wir daraus?

Deutschland ist nun mal Rom und Gallier haben hier keinen Platz.

Pressures produced when penguins pooh

Monday, October 10th, 2005

Während alle Welt nach Schweden starrt und auf die Bekanntgabe der alljährlichen Nobelpreise wartet, fand am 6. Oktober an der Harvard University das eigentliche Highlight des akademischen Jahres statt: die Verleihung der Ig-Nobel-Preise.

Während die Nobelpreise für herausragende Leistungen in Wissenschaft, Literatur oder Frieden verliehen werden, werden die Ig-Nobel-Preise für eine Errungenschaft vergeben, die “nicht wiederholt werden kann oder wiederholt werden soll”. So erhielt bereist bei der ersten Verleihung 1991 Edward Teller, der Vater der Wasserstoffbombe den Friedenspreis für seine “lebenslangen Bemühungen, die Bedeutung von Frieden, in der Art wie wir sie kennen, zu verändern”. Auch Jacques Beneviste aus Frankreich bekam 1998 einen Ig-Nobel-Preis für Chemie für seine homöopatische Entdeckung, dass Wasser nicht nur ein Gedächtnis besitzt, sondern, dass diese Informationen auch übers Telefon und Internet übertragen werden können.

Die diesjährigen Ig-Nobel-Preise gingen unter anderen an Claire Rind und Peter Simmons für das Aufzeichnen Hirnaktivitäten der Heuschrecke während diese ausgewählte Szenen aus Star Wars schaute; Gauri Nanda für das Erfinden eines Weckers, der wegläuft und sich versteckt, damit man wirklich aufstehen muss; und an den Deutschen Victor Benno Meyer-Rochow für seine Publikation: “Pressures Produced When Penguins Pooh — Calculations on Avian Defaecation.” zu Deutsch etwa:”Druckverhältnisse, die Pinguine beim Kacken erzeugen.”

Pinguin

Deutsche schießen Deutschland ab…

Sunday, October 9th, 2005

…und ein Schweizer, der für uns Ergebniskosmetik betreibt. Lang ist es her, dass die Fußballwelt noch in Ordnung war, als man sich noch nicht bei jedem Spieler die Frage stellen musste: “Für welches Land spielt er eigentlich?” Damals gab es einen Franz Beckenbauer, und der spielte für Deutschland, weil er in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, und einen deutschen Pass besaß. Dann gab es auch mal einen Michel Platini, der war Franzose und spielte selbstverständlich für Frankreich; oder einen Diego Maradonna, bei dem es auch völlig klar war, das er für die Gauchos aufläuft.

Aber Zeiten ändern sich. Infolge der Globalisierung war es plötzlich schick, sich Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen, vorzugsweise aus den ehemaligen Kolonien, was zunächst ziemlich erfolgreich war. Frankreich wurde 1998 und 2000 quasi nur mit Einwanderer zunächst Welt- und später auch Europameister. Auch Frankreichs gegenwärtiges Fußballidol, Zinedine Zidane, ist gebürtiger Algerier.

Doch wie so oft im letzten Jahrzehnt, hat Deutschland auch diese Entwicklung verpennt. Einerseits liegt es daran, dass unsere Kolonien schon länger nicht mehr uns gehörten, andererseits daran, dass sich die Deutschen immer sperrten, “Ausländer” mit dem Adler auf der Brust aulaufen zu lassen, schließlich hat man als große Fußballnation genügend eigene Talente. Dies führte dazu, dass in Deutschland geborene Fußballspieler wie die Herren Altintop, Bastürk, Klasnic und jüngst Sahin lieber für das Heimatland ihrer Eltern als für ihr eigenes auflaufen - und das in Zeiten, wo wir so viele gute Fußballer im Kader haben. Zumindest sind nicht alle Integrationsversuche gescheitert und wir haben mit Klose und Podolski einen polnischen Sturm.

Übrigens gab es in den späten neunziger Jahren Versuche, Frankreichs Erfolgsrezept durch Einbürgerungen zu kopieren. Doch Paolo Rink, den wir den Brasilianer abgeluchst hatten, schlug nicht wie erwartet ein und landete schließlich in der zweiten Liga bei Energie Cottbus; und auch Sean Dundee, gebürtiger Südafrikaner, erfüllte nicht die bei der Einbürgerung in ihn gesetzten Hoffnungen: Er kam letztendlich nicht zur Nationalelf, musste aber zum Bund.

Was tun im Herbst?

Friday, October 7th, 2005

Die Sonne ist weg, der Sommer schon längst, und glaub man einigen Menschen in meinem Umfeld, können wir uns auch vom Herbst verabschieden. Nicht weil er schon so lange geweilt hat, sondern, weil der Herbst eine aussterbende Jahreszeit ist.

Wie dem auch sei, muss man den Tatsachen in Auge blicken: es ist vorbei, mit den langen Aufenthalten im Freien, den Biergärten, dem Grillen, dem Radlfahren, den trockenen Bürgersteigen, den Mädels im Rock, dem Fußballspielen auf Rasen. Die Saison der Indoor-Aktivitäten hat begonnen. Freuen wir uns auf die vielen Unipartys, Disconächte und lange Koch- und Filmeabende.

Willkommen in der Kälte!

Enchiladas

Alpenzeit

Friday, October 7th, 2005

Der Vorteil, den man als Student gegenüber allen anderen Bevölkerungsgruppen hat, ist die üppig bemessene Ferienzeit. Während andere schon wieder die Schulbank drücken, im Büro sitzen oder im Schlamm rumkriechen, haben wir bis mitte Oktober noch Zeit, tun zu lassen, was wir wollen.

Obwohl mit Ende der Schulferien offiziell auch die Niederschlagssaison beginnt, gibt es vereinzelt doch noch Tage, an denen sich in Bayern sein sprichwörtich weiß-und-blauer Himmel zeigt und die Sonne durchscheint; das perfekte Wetter um auf die Alpen zu gehn.

So machten sich am gestrigen Donnerstag Ben und ich um sieben Uhr früh auf den Weg zur Kramerspitze bei Garmisch, um noch die letzten Eindrücke zu erhaschen, bevor auch bei uns das Semester und damit die freizeitarme Jahreszeit beginnt. Ein kaum begangener Anstieg gepaart mit perfektem Wetter sowie eine glasklare Sicht auf die Zugspitze und auf Garmisch prägten den womöglich letzten Bergsteigertag in diesem Jahr. Glücklich kann man sich schätzen, dass wir so nah an den Alpen wohnen.

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Die Wiesn’ gehn, der Winter kommt…

Friday, October 7th, 2005

Wenn man als ehemaliger Münchner Schüler zurückblickt, auf die ganzen letzen Jahre und sich fragt, was denn jedes Jahr war, nach der Wiesn’, so erfüllt eine große Lücke die vagen Erinnerungen. Es ist, als hätte die Zeit zwischen Oktoberfest und den Weihnachtsferien nie existiert. Freilich, da waren jedes Jahr noch Allerheiligenferien dazwischen, aber ehrlich gesagt: Wer konnte sich jemals an diese zwischen nix und Regen gelegenen Tage erinnern?

Wenn man also von der gefühlten Lebenszeit ausgeht, haben wir demnach bald den ersten Schnee und Tollwood steht vor der Tür; daran, jedenfalls, kann ich mich nämlich jedes Jahr noch entsinnen.

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Fotos vom Abbau der Wiesn